Warum ich den Beruf Organizerin gewählt habe und dabeigeblieben bin

Immer schon habe ich gerne Dinge nach Kategorien eingeordnet und sortiert. Schon als junges Mädchen haben mich alte verstaubte und überstellte Räume angezogen. Das Mysterium, was sich in diesen verstaubten Kisten und Schränken verstecken könnte hat grosse Neugier in mir geweckt. Einen Boden aufzuräumen Platz zu schaffen und dann den Schmutz aufwischen hat eine seltsame Befriedigung in mir ausgelöst. Später hat es mir grosse Freude bereitet auf meiner Arbeit den Werkzeugschrank aufzuräumen, oder mir auszudenken wie man Arbeitsschritte verkürzen und verbessern könnte.

Seit ich von meinem Jugendheim ausgezogen bin, habe ich immer wieder meine Wohnung oder später mein Haus neu eingerichtet und neu eingeräumt. Manchmal hat das meine Mitmenschen auch ziemlich genervt, da sie sich immer wieder an die neue Situation gewöhnen mussten. Besonders mein Mann hatte damit seine Mühe.


Irgendwann einmal haben ein paar Freundinnen und ich entschieden uns gegenseitig beim Frühlingsputz zu helfen. Zusammen macht das doch einfach viel mehr Spass. Als ich dann etwas in der Schublade meiner Freundin wegräumen wollte und mir diese Unordnung darin aufgefallen war, fragte ich sie, ob ich darin aufräumen dürfe. Sie war vom Resultat so begeistert, dass sie mich darum bat auch noch in anderen Schubladen und Schränken aufzuräumen. Ich war so aufgeregt und erfreut darüber, dass sie mich frei walten liess, ihre privaten Dinge so einzuräumen, wie es mir logisch erschien und mir selber gefiel. Am Abend hatte ich ihre ganze Küche und die Vorratskammer neu eingerichtet, zu meiner Freude war sie glücklich darüber.

Als ich dann nach Hause ging, kam mir der Gedanke, dass es, doch toll wäre auf diese Weise mein Geld zu verdienen und ich hatte die Idee damit ein eigenes Geschäft zu gründen, welches anderen Menschen helfen soll, ihr Haus aufzuräumen und genialer zu organisieren. Als meine Kinder dann im Bett waren stürzte ich mich dann ins Internet und suchte dort, ob es so etwas ähnliches schon gab. Schnell wurde ich fündig, es war zwar immer noch sehr unbekannt jedoch war es tatsächlich ein Dienstleitungsangebot welches entsprechend Angebot und Nachfrage bot. Ich habe dann auch eine Organisation gefunden welche dazu Trainings anbot NAPO National Organisation for Productivity and Organizing.

«Training»?!?, darüber wunderte ich mich schon etwas, ich brauchte doch kein Training, um zu lernen, wie man aufräumt. Darin bin ich doch ein Meister. Dennoch habe ich mir die Mitglieder Liste angeschaut und nach Organizerinnen gesucht welche sich in meiner Nähe befanden und wurde auch fündig. Ich schrieb sogleich die Erste an und fragte diese, ob ich sie gelegentlich anrufen dürfe, um mehr über ihren Beruf zu erfahren. Bereits am nächsten Tag bekam ich die Antwort von ihr und wir vereinbarten ein Treffen. Bei diesem nahm sie sich richtig viel Zeit, um all meine Fragen zu beantworten und erzählte mir noch mehr über NAPO und wie genial es sei, da ich dadurch noch mehr Organizer kennenlernen würde.

Ich war also überzeugt davon und wurde Mitglied, ausserdem bin dann auch bald darauf in die Lokale Gruppe eingetreten, um am ersten von vielen Treffen teilzunehmen. An diesen Treffen referierte immer jemand einen Vortrag bezüglich des Aufräumens. Sehr schnell wurde mir dann auch etwas klar. Als ich mir vorgestellt habe Aufräumen als Dienstleistung anzubieten. Dachte ich es wäre wie damals bei meiner Freundin, meine Kunden würden mir sagen was sie organisiert haben möchten und ich räume es auf. An diesen Vorträgen wurde mir aber schnell bewusst, dass dies wohl nicht immer oder sogar meistens nicht so einfach sein würde. Was, wenn du einen Kunden hast, dem Dein Style nicht gefällt, oder einen der Altes, Ungebrauchtes nicht wegschmeissen will, oder sogar jemand der zwar will das du beim Aufräumen hilft aber nicht, dass du seine Sachen anfasst!


Also habe ich mich Entschieden mich trotzdem diesbezüglich weiterzubilden und einige Onlinekurse zu besuchen. Dies war, als meine Liebe für diesen Beruf richtig entfacht wurde. Mir wurde nämlich klar, dass ich es mit vielen verschiedenen Menschen zu tun haben würde. Jeder hat seine persönlichen Vorlieben, Bedürfnisse und Hürden zu überwinden und meine Herausforderung war es diesen Menschen zu helfen Ordnung in ihr Zuhause zu bringen und ihnen dabei auch zu helfen die Ordnung erhalten zu können.

Das hörte sich alles einfach so spannend an, ich wollte gleich damit loslegen. Ich habe also offiziell mein Geschäft eröffnet, ein Geschäftskonto eröffnet eine Betriebshaftplicht-versicherung abgeschlossen und die erste Werbung auf Social Media gepostet.

Bereits kurze Zeit drauf, klingelte auch schon das Telefon und ich konnte meine erste Kundin buchen. Sie wollte ihre Küche praktischer einräumen. Bis heute bin ich dankbar dafür, dass sie so einfach und locker drauf war und einfach nur dankbar dafür war das ihr jemand dabei half.

Doch bereits bei meiner zweiten Kundin war es völlig anders. Als sie mir ihre Tür öffnete, fiel mir auf, dass sie den Türgriff mit einem Küchenpapier anfasste. Ich habe mir aber nichts weiter dabei gedacht. Bis zu dem Moment, als ich den Staub einer Laptop Schachtel abwischen wollte und sie mit Panik in ihrer Stimme, gerufen hat, nein fassen sie das nicht an. Die Sitzung war damit beendet und sie hatte mich nie wieder gebucht.




Von diesem Moment an habe ich ein Organizing Buch, nach der anderen gelesen und unzählige Trainings durch NAPO absolviert, später bin ich sogar ICD Institut for Challenging Disorder beigetretten und habe so viel wie möglich über verschieden Persönlichkeiten und Aufräumtechniken, Systeme ect. gelernt, wie nur möglich. Nebenbei hatte ich auch immer mehr Kunden bei denen ich, das Gelernte dann auch anwenden konnte, manchmal besser und manchmal weniger gut. Aber immer habe ich etwas dazu gelernt und je länger ich diesen Beruf ausübe desto besser gefällt er mir.

Denke ich heute daran zurück was ich mir ursprünglich unter diesem Beruf vorgestellt habe, dann bin ich mir sicher, dass wenn es tatsächlich so gewesen wäre, ich einfach für die Kunden aufräume und nichts anderes, dann wäre mir diese Arbeit mittlerweile längst langweilig geworden. Was mir wirklich an meinem Beruf gefällt ist, dass ich die Möglichkeit habe, wirklich eine Bereicherung für die Menschen zu sein, in dem ich ihnen helfe, wie sie Ihr Leben positiv verändern können.

Es soll nicht sein das den Menschen, welche in ihrem Umfeld sich gefangen fühlen nicht aus ihrem Labyrinth herausfinden, einfach ein Medikament erhalten, vielmehr möchte ich sie mit meinem Auftrag, an den Weg heranführen, sie begleiten diesen Schritt zu gehen Lösungen aufzeigen sie unterstützen, den Ursachen der Unordnung auf den Grund zu gehen und mit ihnen gemeinsam Ordnung hineinzubringen.


Als Covid angefangen hat war ich Beruflich auf dem Höhepunkt, das Geschäft boomte und ich überlegte, ob ich mein Geschäft vergrössern sollte. Dann wurde der erste Lockdown verhängt und ich musste mir überlegen, wie ich trotzdem weiterhin meine Dienstleistung anbieten könnte.

Da ich immer gerne selbst Hand anlegte, konnte ich mir vor Covid19 nicht wirklich vorstellen ein Virtuelles Organizing anzubieten. Da mir jedoch keine Wahl blieb, versuchte ich es und stellte bald fest, dass es auch so funktionieren kann.

Um auch auf diese Weise meine Kunden zu unterstützen, beschloss ich eine Ausbildung für Coach Approach für Organizers anzufangen. Auch dies hat mir wieder so viel neues beigebracht und diesen Beruf für mich noch aufregender gemacht.

Heute biete ich Aufräumen Zuhause und in kleinen Unternehmen an. Mittlerweile habe mich darauf spezialisiert Menschen mit ADHS oder chronisch Desorganisierte Menschen, darunter auch Messies zu begleiten. Ich habe in den letzten Jahren so vieles übers Aufräumen gelernt, aber noch viel mehr habe ich über Menschen und ihre verschiedenen Persönlichkeiten und persönlichen Bedürfnisse gelernt. Dies alles macht meine Arbeit als Organizerin nicht nur spannend, sondern auch faszinierend und da ich neugierig bin neues zu lernen wird mir auch nie Langweilig.


Da könnte man denken, ich sei ein sehr ordentlicher Mensch, bei diesen seltsamen Vorlieben fürs Auf -und Umräumen. Nein hier muss ich widersprechen, im Gegenteil ich bin durch und durch eine Chaotin ein chronisch Desorganisierter Mensch, wie man in meiner Berufswelt so schön sagt.

Jedoch durch meine Erfahrungen in den letzten Jahren mit den ganzen Aus- und Weiterbildungen der Zusammenarbeit mit meinen Kunden habe ich auch mich viel besser kennen gelernt. und weiss, weshalb ich eine Chaotin bin, und es stört mich auch überhaupt nicht mehr, wie es das früher getan hat.

Es ist völlig normal, dass um mich herum gerne ein Chaos entsteht, da ich ein schnelllebiger Mensch bin und einfach immer viel los ist, Langeweile ist nicht mein Ding.

Seit 2008 bin Ich verheiratet, Mutter von zwei Kindern, Hundehalterin und Geschäftsführerin, Inhaberin von Tidy Solutions und Tiedemann-ANiFiT (Artgerechte Tiernahrung) und zurzeit nimmt mein Herzensprojekt ein Marktgarten auf dem Hof Dürrenmatt in Rünenberg, mit meinem Mann, meiner Schwester und ihrem Mann auch noch ein sehr grosser Teil in meinem Leben in Anspruch. Da muss man halt schon mal wählen zwischen Chaos liegen lassen, oder ein bisschen Qualitätszeit mit Kindern, Freunden oder mir einem selbst zu verbringen.

Das Gute dabei ist, dass da ich unser Heim, so eingerichtet habe, dass alles ein Zuhause hat und ich mich auf das Nötigste beschränke, ich mein Chaos in null Komma nix wieder in den Griff bekomme.

Ich benutze Bullet Journals, Listen, Kalender und Erinnerungsfunktionen, um immer alles im Griff zu haben. Früher hat mich mein Chaos gestresst und hat immer dafür gesorgt das ich, Sachen versäumt oder verloren habe. Das passiert mir heute nur noch selten und wenn es mir passiert, dann vergebe ich mir schnell und weiter geht’s in meinem schnellen und aufregenden Leben.

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